Positionspapier des Kurators Jojo tillmann
Ich bevorzuge es, außerhalb gängiger Erwartungen zu denken und neue Wege zu finden, Lichtkunst in ihrer inhaltlichen Tiefe und technischen Innovation zu präsentieren. Mein kuratorischer Ansatz basiert darauf, nicht das Erwartbare zu reproduzieren, sondern neue Fragestellungen und ungewöhnliche Perspektiven zu ermöglichen.

Das Festival des Verschwindens
Er war da – und dann war er nicht mehr da. Ein Lichtkunst-Event, das die Grenzen zwischen Realität und Illusion auflöste und die Erinnerung selbst zum Kunstwerk machte.
Wer kann mit Gewissheit sagen, was wirklich passiert ist? Die Fragmente sind alles, was bleibt: Flüchtige Momente, verschwommene Erinnerungen, Gerüchte. Augenzeugen berichten von Lichtinstallationen, die nur wenige Sekunden existierten, von Räumen, die sich augenblicklich veränderten, von Kunstwerken, die verblassten, bevor sie überhaupt vollständig wahrgenommen werden konnten.
Die Orte waren nie fest. Wer zu früh kam, verpasste alles. Wer zu spät kam, fand nur Leere vor. Nur wenige – vielleicht eine Handvoll – behaupteten, tatsächlich etwas gesehen zu haben.
Gibt es digitale Spuren? Überhaupt keine Spuren. Keine Dokumentation, keine Fotos, keine Videos. Nur verschwommene Posts in den sozialen Medien, deren Authentizität niemand bestätigen konnte. Es begannen sich kuratorische Mythen zu entwickeln, Geschichten, die zwischen Wahrheit und Fiktion schwankten.
Handelte es sich um ein Kunstprojekt? Eine kollektive Halluzination? Ein ausgeklügelter Eingriff in unsere Wahrnehmung der Realität? Die Debatte selbst wurde zu einem Kunstwerk, einer anhaltenden Irritation, einem Riss in unserem Verständnis von Dokumentation und Erfahrung.
Eines ist sicher: Das Festival hat stattgefunden. Und doch hat es nie stattgefunden. Es existiert nur in den Gesprächen derjenigen, die behaupten, daran teilgenommen zu haben. Ein flüchtiges Ereignis, das seine eigene Mythologie geschaffen hat – radikal, ungreifbar, unersättlich.